Sönke Hebing

 

Wettbewerb um die Zukunft? Unternehmerische Zukunftsforschung zwischen Konkurrenz und Kooperation

Das Dissertationsprojekt untersucht das Spannungsverhältnis von Konkurrenz und Kooperation in der jüngsten Geschichte unternehmerischer Zukunftsforschung. Aus der strategisch-technologischen Vorausschau im Kontext des Kalten Krieges hervorgegangen, durchlief die Zukunftsforschung seit den 1970er Jahren tiefreichende Wandlungsprozesse. Als Teil dessen etablierte sich in Westeuropa eine unternehmerische Zukunftsforschung, die neben öffentlich-rechtlich finanzierte und auf Vereinsbasis organisierte Institute traten.

Das Projekt fokussiert Abteilungen strategischer Planung und Vorausschau in Unternehmen, beleuchtet deren Arbeitsformen und Wissensproduktion, fragt nach kooperativen und kompetitiven Praktiken und daraus resultierenden epistemischen Effekten. Herausarbeitet wird, inwieweit sich in der Zukunftsforschung Selbstverständnisse und Funktionsweisen des Wettbewerbs im Zeichen einer Ökonomisierung von Wissenschaft der 1970er Jahre bis zum Jahr 2000 verstärkten. Gewählt wird ein deutsch-französischer Vergleich, weil die Zukunftsforschung in beiden Ländern besondere öffentliche und politische Aufmerksamkeit generierte. Das Projekt untersucht zwei Unternehmen der Automobilindustrie (Daimler, Peugeot) und zwei Versicherungsunternehmen (Münchener Rück, Société Générale), welche größere Abteilungen für strategische Planung einrichteten. Das Projekt fragt nach den Selbstverständnissen, Semantiken und Handlungsmustern von Kooperation und Konkurrenz erstens zwischen Zukunftsforschungseinheiten verschiedener Unternehmen, zweitens zwischen unternehmerischer und öffentlich-rechtlich finanzierter Zukunftsforschung sowie drittens zwischen nationalen Kontexten.

Das Dissertationsvorhaben ist Teil der zweiten Förderphase der DFG-Forschungsgruppe "Kooperation und Konkurrenz in den Wissenschaften" und wird von Sönke Hebing bearbeitet.